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Die besondere Verehrung der Hl. Mutter Anna in Hopsten

Die besondere Verehrung der Hl. Mutter Anna in Hopsten geht auf das Ende des 17. Jahrhunderts zurück. Sie ist demnach ein verhältnismäßig junger Zweig an dem altehrwürdigen Baume der St.-Annen-Verehrung überhaupt. Schon früher war die Hl. Anna in der Gemeinde Hopsten besonders geehrt worden; Denn der Herr Matthaeus von Münster, Herr zu Vortlage, und seine Gemalin Anna hatten in Verbindung mit dem Pfarrer Wesselinck in Schapen nach der Urkunde vom 24. Januar 1536 die erste geistliche Stelle an der Kirche in Hopsten zu Ehren und unter dem Titel der Hl. Anna gegründet.


Doch nicht an der Pfarrkirche, sondern eine halbe Stunde davon in der Bauernschaft Breischen sollte die außerordentliche Verehrung der Hl. Mutter Anna Fuss fassen. Dort erbaute man ein St. Anna Kapelle, und wie es dazu kam, das lesen wir an der Kapelle draußen über der Tür:

Anno 1677 secta hie quaereus quae genuit praesentem in gratiam St. Annae statuam, in cuius honorem 1694 adicula structa et ho sacellum loco aediculae aedificatum 1728.

Das heißt zu Deutsch:

"Im Jahre 1677 ist hier eine Eiche gefällt worden, die das gegenwärtige Bild zum lobe der Hl. Anna hervorgebracht hat, zu deren Ehren 1694 ein Kapellchen errichtet und diese Kapelle an Stelle des Kapellchens 1728 erbaut worden ist."


Die hier berichteten Tatsachen werden durch zwei schriftliche Nachrichten aus dem Jahre 1750 und 1757, die im Pfarrarchiv aufbewahrt werden, bestätigt und ergänzt; Die erste rührt her von dem damaligen Vikar Kümpers und die zweite von dem damaligen Pfarrer Kloppenborg (1745-85). Fast gleichlautend wird in beiden folgendes gesagt:

Im Jahre 1677 wurde an der Stelle, wo jetzt die Kapelle steht, eine frische und unbeschädigte Eiche gefällt. Als man den Baum "klaubte", fand sich in dem unteren Teile desselben ein dreiteiliges Bild vor, ein großes nämlich, das ein kleineres auf dem Arme hält, und ein drittes noch kleineres, das da steht auf dem Schoße des zweiten und zwischen seinen Armen. Das Gebilde wurde ganz fertig vorgefunden, später hat man es nur noch gestrichen. Weiter heißt es in den oben genannten Aufzeichnungen: Man legte das merkwürdige Gebilde zunächst im Hause des in der Nähe wohnenden Kolons Poggemann auf eine Bühne. Wie heute noch, so hatte auch damals schon der Besitzer dieses Hofes eine Gastwirtschaft. Nun geschah es hier, das bei einer Fastnachtsfeier die Belustigung der Gäste auszuarten begann, und einer der selben das merkwürdige Gebilde herbei holte, und damit allerlei Kurzweil trieb und auf der Tenne herum tanzte. Plötzlich zersprangen bei stillem Wetter viele Fensterscheiben am Hause, und als auch festgestellt wurde, das dieses nicht durch Menschenhand bewirkt sei, verursachte das Ereignis bei den Leuten ein tiefes Nachsinnen. Dem sonderbaren Gebilde wurde dann noch größere Aufmerksamkeit zuteil.




Hier sollen die Steine gelegen haben

Einige Zeit später, so heißt es weiter, gerieten zwei Kaufleute, die Gebrüder Johann und Dietrich Teeken, die auch in der nähe der jetzigen Kapelle wohnten, auf einer stürmischen Seereise in große Gefahr. In ihrer Not gelobten sie, wenn sie glücklich an Land kämen, bei der ersten Heimkehr dem merkwürdigen Bilde, das man längst als die Hl. Mutter Anna gedeutet hatte, ein Kapellchen zu bauen. Die Brüder wurden gerettet und hielten ihr Versprechen. Im Jahre 1694 errichteten sie an der Stelle, wo ehedem die Eiche gestanden hatte, ein Kapellchen und beschaften so für das St. Anna Bild ein eigenes Dach. Zuerst war man willens, das Kapellchen an einer anderen Stelle zu bauen, etwa hundert Meter aufs Dorf zu, wo jetzt links an der Chaussee das Kruzifix steht, aber wundersamerweise verschwanden in einer Nacht die dort angefahrenen Steine, die sich dann auf dem jetzigen Kapellenplatz wiederfanden.


Wie kam es nun, dass man das Gebilde aus der Eiche auf die Hl. Mutter Anna deutete? Einmal legte die Dreiteiligkeit des Bildes das nahe. Man sah darin die Mutter Anna, Maria und das Jesuskind. Dann wurde die Hl. Mutter Anna, wie oben gesagt vielfach als Patronin der Kaufleute verehrt. Der Kaufmannsstand war zu damaliger Zeit in der Gemeinde Hopsten in Blüte. Im dreißigjährigen Kriege hatte die Gemeinde sehr gelitten; Sie war nur noch schwach bewohnt und verarmt. Da bei der Unfruchtbarkeit des Bodens eine Wendung zum Besseren nur allzu langsam eintreten konnte, so verlegte man sich hernach neben der Landwirtschaft auch auf den Handel, der mit Erfolg und teilweise in größerer Ferne betrieben wurde. Kaufleute aus Hopsten kamen nach Holland, Schleswig, Mecklenburg, Dänemark, und über die Riga sogar bis nach Russland hinein. Sie werden nun in dem merkwürdigen Gebilde eine willkommene Gelegenheit erblickt haben, der Hl. Mutter Anna ihre Verehrung zu weihen...


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Textquelle:

 

St. Anna Büchlein, 2. Auflage von 1927

Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung,

Münster in Westf.

 

Unveränderter Orginaltext




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